Bericht, Ergebnisse & “Sail Porn”: J/22 Europameisterschaften 2026, Scheveningen
Was braucht es für eine gelungene Regatta? – Motivierte Crews, spannende Rennen, großartiges Wetter,
eine tolle Atmosphäre und eine Menge Spaß beim Segeln.
All das hatte die Europameisterschaft der J/22 im Rahmen der North Sea Regatta in Scheveningen zu bieten. An vier Tagen nahmen siebzehn Teams aus vier europäischen Ländern die Reise in die Niederlande auf sich, um einen neuen Europameister zu krönen.
Das Event startete am Donnerstag und Freitag mit der obligatorischen Vermessung der Boote. Gut organisiert und mit viel Routine bestanden alle Teilnehmer die erste Hürde.
Am Freitagnachmittag ging es dann auf die Nordsee – ein Practice Race war geplant. Durch die außergewöhnliche Lage des Yachtclub – hinter einem schmalen Kanal – gingen wir im Schlepp der Schlauchboote bis auf die Nordsee. Diese zeigte sich von ihrer ruhigeren Seite: Keine Welle und eine leichte Brise. Lediglich die zusätzliche taktische Komponente “Gezeitenströmung” tat ihr bestes. Für viele Teams war es die erste Begegnung mit diesem Element und die Chance ein Gefühl für das Spiel aus Wind und Strom zu bekommen. Im Hafen erwartete die Segler dann ein kaltes Getränk direkt am Steg – eine tolle Begrüßung der niederländischen J/22-Kassenvereinigung. Es folgt die Eröffnungsveranstaltung auf der Dachterrasse des Yachtclub Scheveningen. Musik, kalte Getränke und kleine Köstlichkeiten im abendlichen Sonnenschein und dabei umgeben von den großartigen Segler*innen aus der J/22-Klasse – was will man mehr?!
Die ersten drei von insgesamt zehn geplanten Wettfahrten wurden am Samstag gesegelt. Der Wind ließ uns warten, durch die Hochdruck-Wetterlage bildete sich jedoch eine stabile Thermik um die Mittagszeit. Wir starteten gemeinsam mit drei anderen Sportboot-Klassen etwas südlich der Hafeneinfahrt. Die Rennleitung ließ uns unter U-Flag starten, so dass die Crews eher konservativ an die Linie fuhren. Durch den Gezeitenstrom war ein “normaler” Start sowieso kaum möglich. Schnell zeigte
sich, dass die Leistungsdichte hoch war. Drei Rennen und jedes Mal ein anderer Sieger – die Bühne für einen spannenden Schlagabtausch am Sonntag und Montag war bereitet. Die Teams unter deutscher Flagge (GER 1619 J’te mit Hardy, Jörg und Gunnar & GER 1449 J-Bender mit Thorsten, Hannes und Florian) segelten einen soliden ersten Tag und fanden sich im vorderen Mittelfeld wieder.
Für Samstagabend lud die holländische Klasse zum Crew-Dinner im nahen italientischen Restaurant mit anschließender Party im NSR-Eventzelt. Live-Band inlusive.
Der Renntag am Sonntag begann erneut mit Flagge AP im Hafen. So vermied die Wettfahrtleitung unnötige Wartezeit der Segler*innen auf dem Wasser und schickte uns erst raus, wenn faire Rennen möglich waren. Und so ging es dann nach zwei Stunden Wartezeiten auf die Regattabahn für geplante vier Wettfahrten. Die Starts, weiterhin unter U-Flag, wurden enger und die Crews wirkten hochmotiviert und konzentriert. Im den ersten beiden Rennen des Tages war das Feld nah beieinander
und zeigte wieder einmal eindrucksvoll wie kompetitiv die J/22-Klasse ist. Phänemenales Segeln!
Bei gekipptem Strom und abnehmenden Wind kam es in der dritten Wettfahrt zu einer herausfordernden Situation – auf der zweiten Kreuz war der Strom am Luvfass bereits so stark, dass diverse Crews mit den Annäherung in dem nachlassenden Wind zu kämpfen hatten. Zeitweise fühlte es sich an, als würde man auf der Stelle segeln. Die Wettfahrtleitung hatte keine andere Wahl – es blieb bei drei Rennen am Sonntag. In den Ergebnislisten stellte sich nach diesem Tag ein eher gewohntes Bild ein – die Weltmeister-Crew der Fraporita führte die Tabelle an, dahinter die französisch-deutsche Crew um Rainer Brockerhoff, welche einen sehr starken Sonntag erwischte. Punktemäßig ging es ab Rang 3 deutlich enger zu, mindestens sechs Boote hatten noch die theoretische Chance auf die Bronzemedaille, darunter auch beide Crews unter deutscher Flagge. Mit drei weiteren möglichen Rennen am Montag wäre auch ein weiterer Streicher eingegangen – es bahnte sich also ein spektakuläres Finish an.

Der vorhergesagte leichte Wind ab 13 Uhr setze sich am Montag jedoch nicht durch und spätestens als die lokalen Crews ihre Segel zum spülen von Bord brachten war jedem klar, heute werden keine Rennen mehr gefahren. Als die Wettfahrtleitung die Regatta beendet brach tosender Jubel an den Stegen aus – die Segelgemeinschaft freute sich über ihre Sieger, aber auch über dieses wunderbare Event! Ein besonderer Glückwünsch geht an die Teams aus Italien unter Ihnen die siegreiche Bronze-
Crew – was für ein toller Erfolg!
Danke an die niederländische Klassenvereingung, dass ihr diese tolle Europameisterschaft ausgerichtet habt – mit viel Liebe und Spaß habt ihr diese Regatta zu diesem großartigen Segelfest gemacht!

2. Platz – FRA 1444 Jazzy
4. Platz – GER 1449 J-Bender
7. Platz – GER 1619 J’tje
Bericht: Team J-Bender
Fotos von Sander an der Borch:





























































Fotos von Yvonne Mostert Fotografie:







































