Regattabericht: Die J/22 zurück am Schanzenberg

Ende Juli flatterte die Ausschreibung für eine “neue” alte Ranglistenregatte in die J/22-Kanäle – der Lübecker Segler-Verein von 1885 e.V. ludt zu den Herbstwettfahrten Mitte September am Ratzeburger See ein – die letzte Regatta fand hier zuletzt vor elf Jahren statt.
Die Meldeliste füllt sich erst schleppend, dann am Ende aber doch mit einer soliden Zahl von neun Schiffen. Mit der weitesten Anreise aus Berlin durch Horst und seine Crew.
Für uns als Hamburger Crew war die Anreise ungewohnt kurz und so entschieden wir uns für einen frühen Start am Samstag. Boot ins Wasser, Mast gestellt, Parkplatz gefunden und dann ging es auch schon zur Steuerleutebesprechung. Neben der J/22 starteten noch Segler im ILCA 6 und ILCA 7 um ihren Herbstmeister zu kühren.
Für den Samstag standen drei Wettfahrten auf dem Programm, mit einer Option auf eine Vierte – Grund war vor allem die Wetterprognose. Am Samstag herrschten mit einem Grundwind von 15 kn und Böen bis an die 25kn bereits sportliches Segelwetter, der Sonntag sollte noch einen drauflegen.
Eine eingespielte Wettfahrtleitung unter der Leitung von Kai Freese bot uns großartige Bedingungen, so konnten wir am Samstag drei sportliche Wettfahrten in die Ergebnislisten segeln. In den Böen und unter Spi kam die ein oder andere J/22 in die Glitsch und insgesamt bot sich ein faires Segeln unter allen Teilnehmern.
Am Samstagabend packte der LSV seine Gastgeberqualitäten aus – es hieß Oktoberfest! Mit gutem Essen, kühlen Getränken und lockerer Musik klönten wir Segler im kleinen Festzelt und ließen den Spaß auf dem Wasser Revue passieren.
Eine leichte Anspannung spürte man unter den Seglern mit dem Auslaufen am Sonntag für zwei weitere Wettfahrten. Wird es wirklich so viel Wind geben? Vorhergesagt waren im Durchschnitt 19kn mit Böen über 30kn. Doch außerhalb des Hafens bot sich ein eher moderates Bild. Dieses sollte sich jedoch im ersten Downwind des Tages schlagartig ändern. Die Kreuz verlief knapp und nahezu die gesamte Flotte war in einem Bündel auf dem Weg zum Leegate, als von hinten die Windfront heranrollte. Die J’s surften schlagartig Richtung Tonnenrundung und der stark aufkommende Wind macht die Spi-Bergung zu einem kleinen Abenteuer. Die anschließende Kreuz war dann schon eher Überlebensmodus, die Drücker krängten die Boote stark und jede Crew war nur noch auf sich konzentriert. Folgerichtig entschied die Wettfahrtleitung, dass es keine weitere Wettfahrt mehr gibt, auch weil die ILCA’s unter diesen Bedingungen noch mehr zu kämpfen hatten.
An Land waren die Boote dann schnell gekrant und Kai macht die Siegerehrung zu einem kurzweiligen Erlebnis. Zusammengefasst ein großartiges Regatta-Wochenende mit der J/22 und den vielen tollen Seglerinnen und Seglern!
Text: Florian Buchs, GER 1449
